Schwesig verlangt Vorab-Gespräche zur Rentenreform
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Politik | Schwerin fordert Rentendialog
Schwerin () – Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), hat im Streit um die Rentenreform von der Bundesregierung Vorab-Gespräche verlangt.
„Es ist ja so, dass erst mal das Gesetzgebungspaket erarbeitet werden muss. Das ist für den Herbst angekündigt“, sagte sie dem TV-Sender „Welt“ am Montag. „Ich rate dazu, vorher schon die Gespräche zu führen, auch mit den Bundesländern, mit den Ministerpräsidenten.“
Große Reformen könne man nur gemeinsam machen. Es sei die Aufgabe der Länder, die Menschen und ihre Alltagssituation zu vertreten und darauf zu achten, dass gerade diejenigen, die sehr fleißig seien und das System mit am Laufen hielten, nicht schlechter dabei wegkämen. Es betreffe vor allem auch eine Generation, die gerade in Ostdeutschland viel hart aufgebaut habe, auch nach der Wende.
Bei allen Verweisen auf die mutmaßlich besondere Situation im Osten sieht Schwesig kein Aufflammen des „Ost-gegen-West“-Konflikts. Es stimme nicht, „dass es jetzt Ost gegen West geht“. Es sei nur so, „dass bei dem Rententhema Ostdeutschland sensibler ist“.
Auch SPD-Vize Anke Rehlinger aus dem Saarland unterstütze im Übrigen ihre Position, so Schwesig – und auch sie selbst habe in der Bundes-SPD „viel Unterstützung“ bekommen. „Deshalb glaube ich, diese Debatte, die ist jetzt nicht nur Ost-West, SPD-CDU, sondern es muss um die Sache gehen. Es muss um die Menschen gehen.“
Im Osten gebe es eine besondere Sensibilität, weil dort 75 Prozent der Menschen nur die gesetzliche Rente hätten. Sie hätten nichts anderes, um eventuelle Kürzungen auszugleichen. „Deshalb sieht man ja auch, dass parteiübergreifend sowohl die Kollegen der CDU als auch wir, Dietmar Woidke und ich der SPD, aber auch zum Beispiel Anke Rehlinger aus dem Saarland, diese Kritik äußern.“
Dass mit dem Festhalten an der Rente mit 63 die gesamte Finanzierung der Rentenreform in Frage steht, glaubt Schwesig nicht. „Das halte ich für total übertrieben, und das ist auch kein sachliches Argument.“
Sie setze vielmehr auf den Leistungsanreiz: Wer früh anfange zu arbeiten, einzuzahlen und lange arbeite und einzahle, solle nicht benachteiligt werden. Es sei nicht in Ordnung, wenn „jetzt mit der Keule gedroht wird nach dem Motto: wenn man einen Punkt kritisiert, dann fällt gleich alles zusammen“.
Eine Härtefallregelung, etwa für jahrelange Schichtarbeiter in der Stahl- und Metallindustrie, würde Schwesig nicht als Kompromisslösung akzeptieren. „Das reicht mir nicht aus. Ich bin ganz klar dafür, dass wir für Versicherte, die viele Jahre gearbeitet haben, mindestens diese 45 Jahre eine Lösung finden.“ Sie plädiere dafür, in der Rente viel stärker darauf zu achten, wie lange jemand gearbeitet und eingezahlt habe und nicht nur nach der Lebenserwartung zu gehen.
| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Manuela Schwesig (Archiv) |
Vier Bürgerfragen. Klare Antworten.
Welche neuen Fakten, Entscheidungen oder Änderungen nennt der Artikel?
- Schwesig fordert Vorab-Gespräche zur Rentenreform vor der für den Herbst angekündigten Erarbeitung des Gesetzgebungspakets, insbesondere auch mit den Bundesländern und Ministerpräsidenten
- Schwesig betont, große Reformen müssten gemeinsam gemacht werden und sieht wegen der besonderen Situation in Ostdeutschland (hoher Anteil nur gesetzlicher Rente) eher Sensibilität statt einen „Ost-gegen-West“-Konflikt
- Sie lehnt eine reine Härtefallregelung als Kompromiss ab und verlangt stattdessen eine Lösung, die sich auf Versicherte mit mindestens 45 Jahren Arbeit und Einzahlung stützt sowie stärker die Beitrags- bzw. Arbeitsdauer berücksichtigt
Wen betrifft es und wie stark (Zielgruppen, Regionen, Zahlen, Fristen)?
- Betroffen sind insbesondere Ostdeutschland bzw. Mecklenburg-Vorpommern und generell die Bundesländer; Schwesig verweist darauf, dass dort 75 Prozent der Menschen nur die gesetzliche Rente haben und deshalb sensibel auf mögliche Kürzungen reagieren, mit Fokus auf Generationen, die nach der Wende besonders viel aufgebaut haben
- Betroffen ist die Ausgestaltung der deutschen Rentenreform zur Rente mit 63; Gesetzgebungspaket soll laut Aussage im Herbst erarbeitet werden, vorab sollen Gespräche mit Bund und Bundesländern/Ministerpräsidenten geführt werden
- Zeitlicher/inhaltlicher Forderungsrahmen: Schwesig nennt 45 Jahre als Ziel für eine Lösung für Versicherte mit vielen Jahren Arbeit und Einzahlung; außerdem kritisiert sie Härtefallregelungen als unzureichend für langjährig Schichtarbeitende (z.B. Stahl- und Metallindustrie)
Welche Gründe, Ursachen, Hintergründe oder Auslöser werden genannt?
- Streit um die Rentenreform und drohende/ diskutierte Kürzungen; Schwesig hält die vollständige Finanzierung bei Festhalten an der Rente mit 63 für „übertrieben“ und nicht sachlich
- Hintergrund: erst später soll das Gesetzgebungspaket für den Herbst erarbeitet werden; deshalb fordert Schwesig Vorab-Gespräche mit Bund und insbesondere mit den Bundesländern, um die Alltagssituation der Betroffenen zu berücksichtigen
- Kontext/ Auslöser: im Osten erhöhte Sensibilität, weil 75 Prozent auf die gesetzliche Rente angewiesen seien und weniger Ausweichmöglichkeiten bei Nachteilen hätten; Schwesig will Leistungsanreiz statt Härtefall- nur Teillösungen und betont die Berücksichtigung von Einzahl- und Arbeitsjahren (mindestens 45 Jahre)
Was machen die Politik bzw. die Behörden jetzt konkret?
- Schwesig verlangt, dass die Bundesregierung vor der Erarbeitung des Gesetzgebungspakets im Herbst bereits Vorab-Gespräche führt und dabei auch mit den Bundesländern bzw. den Ministerpräsidenten abstimmt
- Sie fordert, dass bei der Rentenreform die Interessen der Länder und der Menschen stärker berücksichtigt werden, damit insbesondere gesetzlich Rentenbeziehende in Ostdeutschland nicht schlechter dastehen
- Sie setzt sich dafür ein, dass die Reform nicht über reine Härtefallregeln läuft, sondern für Versicherte mit vielen Beitragsjahren eine Lösung gefunden wird und bei der Bewertung stärker auf 45 Jahre Arbeit und Einzahlung abgestellt wird
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