GIZ-Vorstand Schäfer-Gümbel verteidigt Rückzug aus dem Jemen
Politik - aktuelle Fakten und Einordnung
GIZ-Standort Bonn: Sparmaßnahmen & Yemen-Rückzug
Bonn () – Der Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Thorsten Schäfer-Gümbel, verteidigt den Rückzug aus dem Krisenland Jemen.
„Ein Rückzug hat Konsequenzen – das ist uns bewusst. Aber angesichts willkürlicher Verhaftungen von UN-Personal in den Rebellengebieten hat die Sicherheit der Mitarbeitenden oberste Priorität“, sagte Schäfer-Gümbel der „Rheinischen Post“ (Montag). „Die Entscheidung war notwendig – auch wenn sie uns nicht leichtgefallen ist.“
Zu den Veruntreuungen von Geldern in Millionenhöhe bei GIZ-Projekten im Jemen sagte der GIZ-Vorstandssprecher: „Der Jemen stellt für uns eine Ausnahmesituation dar. In keinem anderen Land waren wir so lange in der sogenannten Fernsteuerung. Nach einem Terrorangriff 2013, bei dem drei GIZ-Mitarbeitende getötet wurden, mussten unsere internationalen Mitarbeitenden das Land verlassen.“ Er ergänzte: „Gegen kriminelles Handeln ist man unter solchen Bedingungen nicht hundertprozentig geschützt. Wir hatten eine Betrugssituation, der wir sofort nachgegangen sind. Die Aufarbeitung ist noch nicht vollständig abgeschlossen.“
Er fügte hinzu: „Wir haben nach den Vorfällen im Jemen unser Regelwerk verschärft und Kontrollen intensiviert. Dazu gehört eine deutlich verschärfte Risikoeinschätzung. Länder, die roten und dunkelroten Risikokategorien zugeordnet sind, etwa Sudan und Afghanistan, werden jährlich geprüft. Das Personal rotiert häufiger, damit keine problematischen Strukturen entstehen. Wir digitalisieren und führen ein neues SAP-System weltweit ein, das uns deutlich weniger anfällig macht als in der Vergangenheit.“
Die GIZ muss derweil sparen und schließt dafür Standorte in Nordrhein-Westfalen und Bayern. Schäfer-Gümbel sagte: „Ende 2027 schließen wir die Standorte Bonn-Kottenforst, wo unsere Akademie ist, und Feldafing in Bayern. Kleinere Büros, etwa in Düsseldorf, haben wir bereits geschlossen. Auch unser Büro in Magdeburg wird schließen.“
Am Standort Bonn, wo auch die Vereinten Nationen ansässig sind, halte man aber fest. „Die GIZ ist und bleibt mit Sitz in Bonn und Eschborn fest verankert. Die anderen Liegenschaften in Bonn behalten wir – und entwickeln den Standort Bonn weiter, ebenso wie Eschborn.“ Schäfer-Gümbel fügte hinzu: „Wir haben zudem auf Anfrage des Auswärtigen Amts entschieden, einen Teil der nach Bonn ziehenden Mitarbeitenden des Weltentwicklungsprogramms UNDP übergangsweise in unseren Gebäuden unterzubringen. Der Mietvertrag beginnt im August.“
| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Thorsten Schäfer-Gümbel (Archiv) |
Vier Bürgerfragen. Klare Antworten.
Welche neuen Fakten, Entscheidungen oder Änderungen nennt der Artikel?
- GIZ-Vorstandssprecher Thorsten Schäfer-Gümbel verteidigt den Rückzug aus dem Jemen mit der Priorität der Sicherheit nach willkürlichen Verhaftungen von UN-Personal in Rebellengebieten
- GIZ kündigt verschärfte Kontrollen an, darunter häufigere Personalrotation, jährliche Prüfung von Ländern in roten/dunkelroten Risikokategorien sowie die weltweite Einführung eines neuen SAP-Systems zur geringeren Anfälligkeit; Aufarbeitung der Betrugsfälle im Jemen noch nicht vollständig abgeschlossen
- GIZ schließt Standorte Ende 2027 in Bonn-Kottenforst und Feldafing (Bayern) sowie bereits kleinere Büros (u.a. Düsseldorf) und das Büro in Magdeburg, hält aber den Sitz in Bonn und Eschborn sowie weitere Bonn-Liegenschaften aufrecht; ein Teil nach Bonn ziehender UNDP-Mitarbeitender wird bis August in GIZ-Gebäuden übergangsweise untergebracht
Wen betrifft es und wie stark (Zielgruppen, Regionen, Zahlen, Fristen)?
- Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) Vorstandssprecher Thorsten Schäfer-Gümbel betrifft den Jemen und dortige GIZ-Projekte sowie internationales UN-Personal; Sicherheitsrückzug aus dem Krisenland wegen willkürlicher Verhaftungen von UN-Personal in Rebellengebieten; noch nicht vollständig abgeschlossene Aufarbeitung von Veruntreuungen in Millionenhöhe
- Internationale GIZ-Mitarbeitende weltweit betroffen durch verschärftes Regelwerk und Kontrollen nach Vorfällen im Jemen; Länder in roten und dunkelroten Risikokategorien wie Sudan und Afghanistan werden jährlich geprüft; häufigere Rotation des Personals; neues SAP-System wird weltweit eingeführt zur Verringerung der Anfälligkeit
- Deutschlandweit betroffen durch Standortschließungen der GIZ: Ende 2027 Schließung von Bonn-Kottenforst (Akademie) und Feldafing in Bayern; kleinere Büros wie Düsseldorf bereits geschlossen; Büro Magdeburg wird geschlossen; Mietvertrag für untergebrachte UNDP-Mitarbeitende beginnt im August
Welche Gründe, Ursachen, Hintergründe oder Auslöser werden genannt?
- Rückzug aus dem Jemen wegen Sicherheitslage als Priorität nach willkürlichen Verhaftungen von UN-Personal in Rebellengebieten
- Hintergründe durch Ausnahmesituation des Jemen, lange Arbeit per Fernsteuerung seit Terrorangriff 2013 mit Toten und laufende Aufarbeitung von Geldernveruntreuungen/Betrug bei GIZ-Projekten
- Auslöser und Kontext durch nach Vorfällen verschärftes Regelwerk mit intensiveren Kontrollen, häufigerer Rotation und digitalisiertem/modernisiertem SAP-System sowie gleichzeitigem Sparzwang mit geplanten Schließungen von Standorten (u.a. Bonn-Kottenforst, Feldafing, Düsseldorf) und parallel Unterbringung von UNDP-Mitarbeitenden in Bonn auf Anfrage des Auswärtigen Amts
Was machen die Politik bzw. die Behörden jetzt konkret?
- GIZ verschärft nach den Vorfällen im Jemen ihr Regelwerk, intensiviert Kontrollen und führt eine deutlich strengere Risikoeinschätzung ein
- Länder in roten und dunkelroten Risikokategorien werden jährlich geprüft, das Personal rotiert häufiger, und die GIZ digitalisiert sowie führt ein neues SAP-System weltweit ein
- Auf Anfrage des Auswärtigen Amts werden Teile der nach Bonn ziehenden UNDP-Mitarbeitenden übergangsweise in GIZ-Gebäuden untergebracht und der Mietvertrag beginnt im August
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