Antisemitismusbeauftragter Klein räumt unerledigte Aufgabe ein

24. Juli 2026

Politik - aktuelle Fakten und Einordnung

Politik: Antisemitismus in
() – Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, räumt kurz vor Ende seiner Amtszeit ein, dass eine große Aufgabe im Kampf gegen Judenhass unerledigt bleibt. „Leider ist das so, das muss ich selbstkritisch sagen, dass wir die Wurzel dessen, was wir bekämpfen wollen, nicht in den Griff bekommen haben“, sagte Klein der ARD. Antisemitismus sei insbesondere nach dem 7. Oktober 2023 in die Höhe geschnellt. Der „barbarische Angriff der Hamas auf “ habe die ganze Situation „gravierend“ verschärft.

Rund die Hälfte aller gemeldeten antisemitischen Straftaten im Jahr 2023 sei nach dem 7. Oktober begangen worden. Seither bleibe die Zahl hoch: 2025 wurden mehr als 6.500 antisemitische Straftaten gemeldet. Der Umgang mit Antisemitismus sei in seiner Amtszeit aber besser geworden, erklärte Klein. So seien nicht nur in den Bundesländern, sondern auch in den Generalstaatsanwaltschaften und Polizeistellen Antisemitismusbeauftragte ernannt worden. „Der Umgang von Polizei und Justiz mit Antisemitismus ist viel professioneller geworden als früher.“ Klein nannte ein Beispiel: Als er ins Amt kam, sei der Angriff auf ein jüdisches Restaurant in von der Polizei wochenlang als Sachbeschädigung behandelt worden, nicht als antisemitische Straftat. Und das würde es heute nicht mehr geben.

Stark gestiegen ist die Zahl von antisemitischen Straftaten, die in den Statistiken als auf einer „aus dem Ausland stammenden Ideologie“ beruhend aufgeführt werden. Am häufigsten werden antisemitische Straftaten aber noch immer von rechts begangen – nämlich 46 Prozent. „Insbesondere Volksverhetzungen, Beleidigungen im Internet, Hakenkreuze. Das ist Realität in Deutschland“, sagte Klein. „Übrigens überall, nicht nur in Ostdeutschland.“ Klein warnte auch deshalb vor einem Einreißen der Brandmauer zur AfD – eine Diskussion, die Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) angestoßen hatte mit seiner Aussage, wer noch über Brandmauern rede, habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt.

Klein hält das für eine gefährliche Aussage. Es seien zwar nicht alle AfD-Wähler rechtsextremistisch und mit Wählern müsse man ins Gespräch kommen. Mit der AfD zu sprechen sei aber keine normale politische Auseinandersetzung. „Wenn die Schulpflicht abgeschafft werden soll, das ist Teil des Programms der AfD in Sachsen-Anhalt, da kann man sich gar nicht ausmalen, was das bedeuten würde, auch für unsere Gesellschaft“, so Klein. „Die Brandmauer muss aufrechterhalten werden. Das ist ganz wichtig.“

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Wer Klein ab Ende August im Amt des Antisemitismusbeauftragten nachfolgt, ist bislang nicht bekannt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), an dessen Ministerium das Amt geknüpft ist, will bald einen Namen nennen. Klein hat einen Rat für seinen Nachfolger: „Jetzt noch stärker auf die sozialen Medien zu schauen. Das würde ich machen, wenn ich noch im Amt bleiben würde. Den Kampf gegen Antisemitismus im Netz haben wir noch zu wenig geführt.“

Klein wird nach Paris ziehen und dort die Ständige Vertretung Deutschlands bei der OECD leiten. Eine neue Aufgabe mit Verbindungen zu seinem alten Posten, wie er sagte: „Die OECD ist als Reaktion auf den Horror des Zweiten Weltkrieges entstanden, als Nachfolgeorganisation des Marshall-Plans. Es sitzen demokratische Länder zusammen, überlegen, wie gute marktwirtschaftliche und gesellschaftliche Bedingungen zustande kommen. Und daran werde ich auch weiter mitwirken.“

Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Felix Klein (Archiv)

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Welche neuen Fakten, Entscheidungen oder Änderungen nennt der Artikel?

  • Felix Klein räumt kurz vor Ende seiner Amtszeit ein, dass die Wurzel des bekämpften Antisemitismus bislang nicht in den Griff bekommen wurde
  • Rund die Hälfte der gemeldeten antisemitischen Straftaten 2023 wurde nach dem 7. Oktober 2023 begangen; 2025 wurden mehr als 6.500 antisemitische Straftaten gemeldet
  • Klein warnt vor einem Einreißen der Brandmauer zur AfD und fordert für die Nachfolge stärkeres Augenmerk auf Antisemitismus in sozialen Medien; Nachfolger ist noch nicht bekannt

Wen betrifft es und wie stark (Zielgruppen, Regionen, Zahlen, Fristen)?

  • Deutschland; Felix Klein (Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung) räumt ein, dass die Wurzel des Antisemitismus bislang nicht „in den Griff“ bekommen wurde; Antisemitismus besonders stark nach dem 7. Oktober 2023, rund die Hälfte der 2023 gemeldeten antisemitischen Straftaten nach dem 7. Oktober
  • Deutschland (inkl. Ostdeutschland); 2025 wurden mehr als 6.500 antisemitische Straftaten gemeldet, rechts begangen 46 Prozent; besonders häufig Volksverhetzungen/Beleidigungen im Internet/Hakenkreuze
  • Netz-/Politikbezug in Deutschland; Forderung, stärker auf soziale Medien zu schauen, weil der Kampf gegen Antisemitismus im Netz zu wenig geführt wurde; Warnung vor „Brandmauer“ zur AfD, Beispiel Bezug auf Programme wie Abschaffung der Schulpflicht (Sachsen-Anhalt) und Hinweis „überall, nicht nur in Ostdeutschland“

Welche Gründe, Ursachen, Hintergründe oder Auslöser werden genannt?

  • Nach dem 7. Oktober 2023 ist Antisemitismus stark angestiegen; der Angriff der Hamas auf Israel habe die Situation gravierend verschärft
  • Rund die Hälfte der gemeldeten antisemitischen Straftaten 2023 wurde nach dem 7. Oktober begangen; auch 2025 bleibt die Zahl hoch (mehr als 6.500 gemeldete Delikte)
  • Ursächlich/kontextuell bleibt laut Klein die „Wurzel“ des bekämpften Antisemitismus unerledigt; zugleich steigen Straftaten, die in Statistiken als Ideologie aus dem Ausland eingeordnet werden, während die meisten Taten weiterhin von rechts begangen werden (46 Prozent)

Was machen die Politik bzw. die Behörden jetzt konkret?

  • Felix Klein macht in der Amtszeit deutlich, dass Polizei und Justiz den Umgang mit Antisemitismus inzwischen professioneller gestalten und Antisemitismusbeauftragte in Bundesländern sowie bei Generalstaatsanwaltschaften und Polizeistellen ernannt wurden
  • Der Kampf gegen Antisemitismus im Netz soll künftig stärker in den Fokus gerückt werden, insbesondere durch genaueren Blick auf soziale Medien
  • Der Nachfolger des Antisemitismusbeauftragten soll von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bald benannt werden
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