TKMS-Chef: Indien-Auftrag bis Jahresende erwartet

17. Juli 2026

Wirtschaft - aktuelle Fakten und Einordnung

Wirtschaft: TKMS in unter Druck

Kiel () – Vor dem Hintergrund deutlicher Kursverluste wehrt sich TKMS-Chef Oliver Burkhard gegen Einschätzungen, dass der Werftkonzern mit dem Großauftrag aus für bis zu zwölf U-Boote überfordert sein könnte.

„Ich muss zugeben, es ärgert mich, dass da immer wieder Zweifel geschürt werden“, sagte Burkhard der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstagsausgabe). Auch in Gesprächen mit Investoren, wie etwa dieser Tage bei einer Roadshow in , werde er jetzt öfter gefragt, ob sich TKMS das große Auftragsvolumen überhaupt zutraue: „Tun wir“, so Burkhard. „Natürlich schaffen wir das, sonst würden wir solche Aufträge doch gar nicht annehmen.“

Der Kurs des M-Dax-Werts war zwar auf 93 Euro gestiegen, als sich Anfang Juli abzeichnete, dass TKMS von Kanada als Lieferant für die zwölf U-Boote ausgewählt wird. Inzwischen ist der Kurs unter 80 Euro abgerutscht. Hintergrund ist die Tatsache, dass TKMS schon jetzt einen Auftragsbestand hat, der mit rund 20 Milliarden Euro fast das Zehnfache des letzten Jahresumsatzes erreicht. Durch den Auftrag aus Kanada sowie die Bestellung von Fregatten durch den Bundestag dieser Tage würde sich der Auftragsbestand noch einmal verdoppeln.

Der TKMS-Chef verwies darauf, dass der Kursrutsch stark mit dem abrupten Ausstieg des Bundes aus dem Fregattenprogramm für die F126 zusammenhänge: „Da stellen Investoren nachvollziehbar die Frage, wie verlässlich ein Auftragsbuch ist, wenn die Politik mittendrin eingreifen kann“, sagte Burkhard der FAZ. Mit dem Bau der F126 war das beauftragte Konsortium um Jahre in Verzug geraten. TKMS war daran aber nicht beteiligt.

Für den vorhandenen Auftragsbestand sei TKMS gewappnet, bekräftigte Burkhard. Der große Trumpf sei die Werft in Wismar: „550.000 Quadratmeter überdachte Docks, das größte, was es in Europa gibt.“ Der Vorstandschef stellt zudem in Aussicht, dass TKMS die Aufträge sogar noch schneller abarbeiten könnte als bisher geplant – sofern es zu einer weitergehenden Kooperation mit der spanischen Werft Navantia kommt. Bis Ende des Jahres solle sich das geklärt haben. „Die Spanier sind derzeit unterausgelastet – und wir haben sehr gut zu tun“, so der Hinweis von Burkhard.

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Was im Auftragsbuch von TKMS allerdings weiter fehlt, ist die Bestellung von sechs U-Booten für acht Milliarden Euro durch die indische Regierung. Diese hatte beim -Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Januar den seit Jahrzehnten verhandelten Deal in Aussicht gestellt. Ende April hatte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) zusammen mit seinem indischen Amtskollegen Rajnath Singh die TKMS-Werft in Kiel besucht und sich zuversichtlich gezeigt, dass der Vertrag in den folgenden drei Monaten unterzeichnet werden könnte. Angesichts der Finanznöte, in denen die indische Regierung seit der durch den Irankrieg verursachten Energiekrise in Asien steckt, ist dieser Zeitplan nun nicht mehr zu halten. „Ich rechne damit, dass wir den Auftrag aus Indien bis Ende des Jahres erhalten“, sagte Burkhard der FAZ.

Durch die Schließung der Straße von Hormus habe Indien erlebt, was Abhängigkeit von anderen Ländern bedeute. Das Land will bis 2047 rüstungstechnisch autark werden. Auf die Frage, wie realistisch das Geschäft angesichts dieser Gemengelage noch sei, antwortete Burkhard: „Wir haben keine Anzeichen dafür, dass der Deal nicht kommt.“ Indien bleibe neben Singapur in Asien der größte Kunde. Daneben erhalte TKMS seit Beginn des Irankriegs viele Anfragen.

Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Indisches Parlament (Archiv)

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Welche neuen Fakten, Entscheidungen oder Änderungen nennt der Artikel?

  • TKMS-Chef Oliver Burkhard weist Zweifel zurück, dass der Großauftrag aus Kanada mit bis zu zwölf U-Booten das Unternehmen überfordert, und betont, dass der Auftrag nur angenommen werde, wenn TKMS ihn schaffen könne
  • Der Auftragsbestand von TKMS soll durch den kanadischen Auftrag sowie durch Fregattenbestellungen des Bundestags weiter steigen, wodurch er sich laut Artikel verdoppeln würde
  • Burkhard rechnet damit, den indischen Auftrag über sechs U-Boote für acht Milliarden Euro bis Ende des Jahres zu erhalten, nachdem der ursprünglich genannte Zeitplan wegen finanzieller Lage in Indien nicht mehr einzuhalten sei

Wen betrifft es und wie stark (Zielgruppen, Regionen, Zahlen, Fristen)?

  • TKMS/Oliver Burkhard, Zielgruppe Investoren und Anleger (M-Dax-Kursentwicklung von 93 Euro Anfang Juli auf unter 80 Euro; Auftragsbestand ca. 20 Milliarden Euro, potenziell Verdopplung durch Kanada und Bundestags-Fregatten) sowie potenzielle internationale Kunden (u.a. Kanada, Indien, Singapur) über Roadshow in Singapur
  • Region Kanada: Großauftrag für bis zu zwölf U-Boote, der den Investorenzweifel gegen Überforderung auslöst; Zeitbezug über Auswahl als Lieferant (ab Anfang Juli) und Kursreaktion danach
  • Region Indien: Bestellung von sechs U-Booten für ca. acht Milliarden Euro; geplanter Deal nach Pistorius/Singh-Besuch eigentlich in drei Monaten, nun erwarteter Erhalt bis Ende des Jahres; Indien will bis 2047 rüstungstechnisch autark werden

Welche Gründe, Ursachen, Hintergründe oder Auslöser werden genannt?

  • Kursrückgang und Zweifel am Auftragsvolumen wegen möglicher Überforderung; verstärkte Investorengespräche nach der Kanada-Entscheidung für bis zu zwölf U-Boote und Kursrutsch unter 80 Euro trotz zuvorem Anstieg
  • Sehr hoher Auftragsbestand (rund 20 Milliarden Euro, nahezu zehnmal letzter Jahresumsatz) und erwartete Verdopplung durch Kanada-Auftrag sowie Fregattenbestellungen; zusätzliche Verunsicherung durch politischen Eingriff nach abruptem Ausstieg des Bundes aus dem Fregattenprogramm F126, wodurch Investoren die Verlässlichkeit des Auftragsbuchs hinterfragen könnten
  • Verzögerungs- und Kontextauslöser im Rüstungsgeschäft: fehlende Bestellung der sechs U-Boote für Indien (acht Milliarden Euro) trotz Zusage-/Zeitplanungen nach Besuchen von Merz und Pistorius; Indiens Finanznot seit Energiekrise durch Irankrieg, Schließung der Straße von Hormus und Ziel rüstungstechnischer Autarkie bis 2047, wodurch der ursprünglich angestrebte Unterzeichnungszeitpunkt nicht mehr gehalten wird

Was machen die Politik bzw. die Behörden jetzt konkret?

  • Der Bundestag würde mit der Bestellung von Fregatten das Auftragsvolumen für TKMS erhöhen, nachdem der Bundes zuvor aus dem Fregattenprogramm für die F126 ausstieg
  • Bundeskanzler Friedrich Merz sowie Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius haben sich im Rahmen von Besuchen in Indien für die Unterzeichnung des U-Boot-Deals eingesetzt, der nun bis Ende des Jahres erwartet wird
  • Politik und Behörden können durch Eingriffe und Änderungen in laufenden Rüstungsprogrammen die Verlässlichkeit des Auftragsbuchs beeinflussen
Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH