Airbus plädiert für Ende von "Industrienationalismus"

15. Juli 2026

Politik - aktuelle Fakten und Einordnung

Wirtschaft & Politik: Rüstungs-Kooperation in Toulouse

Toulouse () – Airbus-Verwaltungsratschef René Obermann hat die Europäer zu einer besseren Zusammenarbeit in Rüstungsfragen aufgefordert. Es sei „wichtiger denn je“, den „Industrienationalismus im Verteidigungssektor zu überwinden“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Donnerstagsausgabe) und „Le Monde“.

Er sei sich der Schwierigkeiten der europäischen Regierungen bewusst, so etwas zu realisieren. „Doch wenn aus der derzeitigen Bedrohung ein realer Konflikt wird, wird es wahrscheinlich schon zu spät sein“, mahnte der frühere Telekom-Chef.

„Unzeitgemäß“ ist für den Airbus-Chairman in diesem Zusammenhang das Prinzip des Geo-Returns, des „geografischen Rückflusses“, das den Ländern bei Gemeinschaftsvorhaben Industrieaufträge in Höhe ihres Finanzierungsanteils sichert. Es stärke nationale Interessen auf Kosten europäischer Interessen. „Damit schießt sich Europa selbst ins Knie“, so Obermann. Zudem kritisierte er, dass konkrete Entscheidungen, die eine Harmonisierung der Beschaffung, Standardisierung von Waffensystemen und Beschleunigung der wichtigsten Programme ermöglichten, weiter auf sich warten ließen.

Obermann forderte mehr Effizienz beim Ressourceneinsatz und eine klare Aufteilung der Zuständigkeiten bei europäischen Kooperationsprogrammen. Zwar gebe es „ermutigende Veränderungen“. Ein Beispiel seien beschleunigte Beschaffungsverfahren. „Wir müssen die schnelle Umsetzung der Suche nach der perfekten Lösung vorziehen, müssen noch enger mit ukrainischen Unternehmen zusammenarbeiten und uns an deren Entwicklungstempo und Innovationszyklen annähern“, sagte er. Die Spezifikationen bei der Auftragsvergabe müssten „weniger komplex und stärker auf die operativen Ziele ausgerichtet sein“.

Den Ausdruck „Fiasko“ wies Obermann mit Blick auf das gescheiterte deutsch-französische Kampfflugzeug als Teil des Luftkampfsystems FCAS zurück. „Wollen Sie das wirklich so nennen? Ich nicht. Eine Reihe von Elementen von FCAS können weitergeführt werden“, sagte er.

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Ein Kampfflugzeug der sechsten Generation nannte er „unverzichtbar“. Man müsse sich das als „Edge-Computing-Plattform vorstellen, die nah am Einsatzgebiet in Echtzeit bemannte und unbemannte Einheiten über Satelliten-, Boden- und fliegende Netzwerke koordiniert“. Airbus verfüge laut Obermann über die notwendigen Kompetenzen, um hier eine führende Rolle zu spielen.

Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Airbus A380-800 (Archiv)

Vier Bürgerfragen. Klare Antworten.

Welche neuen Fakten, Entscheidungen oder Änderungen nennt der Artikel?

  • Airbus-Verwaltungsratschef René Obermann fordert ein Ende des „Industrienationalismus“ im Verteidigungssektor und bessere europäische Zusammenarbeit in Rüstungsfragen
  • Obermann kritisiert das Prinzip der Geo-Returns als „unzeitgemäß“ und fordert effizienteren Ressourceneinsatz sowie eine klare Zuständigkeitsteilung bei europäischen Kooperationsprogrammen
  • Er stellt FCAS nicht als „Fiasko“ dar, sagt ein Flugzeug der sechsten Generation sei „unverzichtbar“, und spricht von einer „Edge-Computing-Plattform“ zur Echtzeit-Koordination bemannter und unbemannter Einheiten; Airbus sieht er dabei in einer führenden Rolle

Wen betrifft es und wie stark (Zielgruppen, Regionen, Zahlen, Fristen)?

  • Betroffen sind europäische Regierungen und die europäischen Rüstungsindustrien; Zielgruppe sind insbesondere Länder, die bei Gemeinschaftsvorhaben am Geo-Return-Prinzip (Aufträge nach Finanzierungsanteilen) festhalten; Regionen: Europa (inkl. Kooperation mit ukrainischen Unternehmen); Zahlen/Fristen: keine konkreten Angaben
  • Betroffene Programme/Projekte sind europäische Kooperationsprogramme zur Harmonisierung der Beschaffung, Standardisierung von Waffensystemen sowie Beschleunigung wichtiger Programme; außerdem das deutsch-französische Kampfflugzeug im Luftkampfsystem FCAS und dessen gescheiterter Teil sowie ein Kampfflugzeug der sechsten Generation; Zeitraum: keine konkreten Zeitangaben, aber Forderung nach beschleunigter Umsetzung und Annäherung an Entwicklungstempo/Innovationszyklen
  • Stärke der Einflussrichtung: fordert Überwindung von „Industrienationalismus“ und Kritik an Geo-Returns als Blockade („schießt sich Europa selbst ins Knie“), zudem Forderung nach mehr Effizienz, klarer Zuständigkeitsaufteilung, weniger komplexen Spezifikationen und engerer Zusammenarbeit mit der Ukraine; konkrete Wirkung/Zahlen: keine Angaben

Welche Gründe, Ursachen, Hintergründe oder Auslöser werden genannt?

  • Industrienationalismus im Verteidigungssektor behindert nach Aussage von Airbus-Verwaltungsratschef René Obermann die notwendige europäische Zusammenarbeit und führt dazu, dass nationale Interessen auf Kosten europäischer Interessen gestärkt werden
  • Geo-Return-Prinzip mit geografischem Rückfluss von Aufträgen nach Finanzierungsanteilen wirkt laut Obermann „unzeitgemäß“ und schwächt damit die gemeinsame strategische Ausrichtung Europas
  • Bedrohungslage könnte sich bei Verzögerungen bei Harmonisierung der Beschaffung, Standardisierung von Waffensystemen und Beschleunigung wichtiger Programme zu einem realen Konflikt zuspitzen

Was machen die Politik bzw. die Behörden jetzt konkret?

  • Die Regierungen sollen den Industrienationalismus im Verteidigungssektor überwinden und in der europäischen Rüstungskooperation stärker zusammenarbeiten
  • Die Beschaffung soll beschleunigt werden, unter anderem durch schnellere Verfahren, engere Zusammenarbeit mit ukrainischen Unternehmen sowie weniger komplexe, stärker auf operative Ziele ausgerichtete Spezifikationen bei der Auftragsvergabe
  • Es soll eine klare Aufteilung der Zuständigkeiten bei europäischen Kooperationsprogrammen geben und die Harmonisierung der Beschaffung sowie die Standardisierung von Waffensystemen vorangetrieben werden
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