Wehrbeauftragter kritisiert Benachteiligung von Bundeswehr-Personal

13. Juli 2026

Politik - aktuelle Fakten und Einordnung

Politik: Bundeswehr-Wohnraum und Personal

() – Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Henning Otte (CDU), warnt Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) vor einer Benachteiligung des Bestandspersonals der Bundeswehr.

Otte sagte der „Welt“, Soldaten hätten ihm berichtet, dass sie ihre Stuben für erwartete Freiwillige räumen mussten, die dann gar nicht in der prognostizierten Zahl kamen. Das sorge verständlicherweise für Missstimmung. Die Bundeswehr dürfe sich nicht nur um Bewerber kümmern, sondern müsse auch diejenigen im Blick behalten, die bereits ihren Dienst leisten. Dafür brauche es eine verlässliche strategische Planung, die sich an der Realität orientiert – beispielsweise Mietkostenzuschüsse, die den regionalen Wohnungsmärkten Rechnung tragen.

Der Wehrbeauftragte kritisierte auch, dass das Ministerium nach einem am 1. Juli ausgesprochenen Beförderungsstopp für Feldwebel noch keine Maßnahmen ergriffen habe. Die Kommunikation sei mäßig gewesen und habe für zu viel Unruhe in der Truppe gesorgt, sagte Otte. Das müsse schnell bereinigt werden, damit die Soldaten wüssten, welchen Karriereweg sie gehen können. Für Verzögerungen dabei habe er kein Verständnis.

Der CDU-Politiker beklagte weiter, dass der Aufbau der -Brigade zulasten der Truppe im Heimatland gehe. Dass der Minister Soldaten nach Litauen befehlen müsse, anstatt an der versprochenen Freiwilligkeit festzuhalten, liege auch an der Unattraktivität des Dienstes im Baltikum für Mannschaftssoldaten. Da für Verwendungen in Litauen kein Auslandsverwendungszuschlag mehr gezahlt werde, sondern lediglich der reguläre Auslandszuschlag, habe das insbesondere für Mannschafter erhebliche finanzielle Auswirkungen, sagte Otte. Dadurch sei eine Verwendung in Litauen für den Mannschaftsbereich deutlich weniger attraktiv als für höhere Dienstgrade. Reservisten müssten ihre Verpflegung teilweise sogar selbst bezahlen und hätten am Monatsende kaum mehr Geld als bei einer Verwendung in . Das könne nicht zielführend sein. Die Attraktivität eines Wechsels nach Litauen müsse auch für Familien weiter steigen, damit möglichst wenige Soldaten kommandiert werden müssten.

Schließlich zweifelt Otte am Freiwilligenmodell beim neuen Wehrdienst. Der Anspruch, den personellen Aufwuchs durch Freiwilligkeit zu erreichen, sei aller Ehren wert. Für ihn gelte aber die Devise: Wiedervorlage Anfang 2027. Dann müsse man sich ehrlich machen, ob die notwendigen Aufwuchszahlen auf diesem Weg erreicht werden. Sonst müssten weitere verpflichtende Elemente her. Denn die Ausbildung neuer Soldaten dauere Jahre. Otte warnte davor, sich nur vom relativen Aufwuchs beruhigen zu lassen. Entscheidend sei, dass daraus militärische Fähigkeiten und Einsatzbereitschaft entstehen. Dazu brauche es länger dienende Zeit- und Berufssoldaten. Bei einem Stand von 185.000 und einer Ziellinie von 260.000 brauche man 75.000 Soldaten mehr im Zeit- und Berufssoldatenbereich. Das nur durch einen Beifang im freiwilligen Dienst zu erreichen – da fehle ihm die Zuversicht.

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Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Henning Otte (Archiv)

Vier Bürgerfragen. Klare Antworten.

Welche neuen Fakten, Entscheidungen oder Änderungen nennt der Artikel?

  • Wehrbeauftragter Henning Otte warnt Verteidigungsminister Boris Pistorius vor Benachteiligung des Bestandspersonals; er berichtet, Soldaten hätten Stuben für erwartete Freiwillige geräumt, die dann nicht in der prognostizierten Zahl kamen, und fordert verlässliche strategische Planung inkl. Mietkostenzuschüssen
  • Otte kritisiert, dass das Ministerium nach dem am 1. Juli verhängten Beförderungsstopp für Feldwebel noch keine Maßnahmen ergriffen habe; er fordert schnelle Klärung des Karrierewegs zur Beruhigung der Truppe
  • Otte zweifelt am Freiwilligenmodell beim neuen Wehrdienst und fordert Wiedervorlage Anfang 2027; falls die Aufwuchszahlen dann nicht erreicht seien, seien weitere verpflichtende Elemente nötig, da die benötigten zusätzlichen 75.000 Zeit- und Berufssoldaten nicht nur durch freiwilligen Dienst sichergestellt werden könnten

Wen betrifft es und wie stark (Zielgruppen, Regionen, Zahlen, Fristen)?

  • Betroffen Bestandspersonal und Soldaten der Bundeswehr bundesweit; Situation entsteht durch erwartete Freiwillige, die laut Berichten nicht in prognostizierter Zahl kommen, wodurch Stuben im Voraus geräumt wurden (Missstimmung), zudem Bedarf an verlässlicher strategischer Planung z.B. Mietkostenzuschüsse für regionale Wohnungsmärkte
  • Betroffen Feldwebel und Truppe bundesweit; nach Beförderungsstopp ab 1. Juli noch keine Maßnahmen, zu mäßige Kommunikation verursacht Unruhe, schnelle Bereinigung gefordert, damit Soldaten ihren Karriereweg kennen
  • Betroffen Mannschaftssoldaten/Reservisten und (für den Einsatz) Litauen-Brigade, vor allem Baltikum-Region; fehlender zusätzlicher Auslandsverwendungszuschlag nur regulärer Auslandszuschlag mit erheblichen finanziellen Auswirkungen, Reservisten zahlen teilweise Verpflegung selbst, zudem Zielfrage „Wiedervorlage Anfang 2027“ und Größenordnung: Stand 185.000 zu Ziellinie 260.000, zusätzlicher Bedarf 75.000 Zeit- und Berufssoldaten

Welche Gründe, Ursachen, Hintergründe oder Auslöser werden genannt?

  • Benachteiligung und Missstimmung im Bestandspersonal weil Stuben für erwartete Freiwillige geräumt wurden, diese dann aber nicht in der prognostizierten Zahl ankamen, dadurch fehlende strategische Personalplanung an der Realität vorbei
  • Unzureichende Maßnahmen nach Beförderungsstopp für Feldwebel seit 1. Juli sowie mäßige Kommunikation, was Unruhe ausgelöst habe und Soldaten keine Klarheit über Karrierewege gibt
  • Attraktivitäts- und Anreizprobleme beim Einsatzaufbau der Litauen-Brigade wegen fehlendem zusätzlichen Auslandsverwendungszuschlag für Mannschafter, teils selbst zu zahlender Verpflegung für Reservisten, daraus geringere Bereitschaft für freiwillige Verwendungen und Zweifel am Freiwilligenmodell bis zur Wiedervorlage Anfang 2027 bei zu knappen Aufwuchszielen

Was machen die Politik bzw. die Behörden jetzt konkret?

  • Der Wehrbeauftragte fordert eine verlässliche strategische Personal- und Einsatzplanung, die auch dem Bestandspersonal verlässliche Rahmenbedingungen sichert, etwa durch Mietkostenzuschüsse für regionale Wohnungsmärkte
  • Das Ministerium soll den Beförderungsstopp für Feldwebel nach dem 1. Juli zügig durch passende Maßnahmen und bessere Kommunikation bereinigen, damit die Soldaten ihren Karriereweg wieder klar kennen
  • Beim Aufbau der Litauen-Brigade soll die Attraktivität der Verwendung für Mannschaftssoldaten und Familien verbessert werden, um die geplante Freiwilligkeit in der Praxis einzuhalten und nicht mehr zu Kommandierungen zu führen
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