Sachsens Ministerpräsident wettert gegen 35-Stunden-Woche
Politik - aktuelle Fakten und Einordnung
Politik: Produktivität in Dresden
Dresden () – Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) fordert größere Anstrengungen zur Steigerung der Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland – auch von den Arbeitnehmern.
„Nicht jeder muss grundsätzlich mehr arbeiten, aber die Arbeit muss produktiver werden. Die 35-Stunden-Woche passt nicht mehr in diese Zeit“, sagte der CDU-Politiker der „Welt“. Es gehe nicht darum, Arbeitnehmern etwas wegzunehmen. „Gleiches Geld, aber ein paar Stunden mehr arbeiten in den kommenden fünf Jahren, ist doch viel besser, als den Arbeitsplatz zu verlieren.“ Der Wohlstand sei von Menschen geschaffen worden, „für die es kein Problem war, 40 Stunden und mehr zu arbeiten“.
Zur Debatte über Karenztage sagte Kretschmer, der überwiegende Teil der Bevölkerung sei beim Thema Krankschreibung sehr achtsam. „Aber es gibt einen kleinen Teil, der die Möglichkeit der `Krankentage ohne Krankenschein` ausnutzt.“ Mit diesen Leuten solle man „weniger solidarisch sein als mit denjenigen, die wirklich erkrankt sind“. Das sei über Jahrzehnte in Deutschland selbstverständlich gewesen „und ist in vielen anderen Ländern heute noch vollkommen normal“.
Bei der Pflegeversicherung warnte Kretschmer vor einer Belastung der Kommunen. In Ostdeutschland lägen Renten durchschnittlich bei 1.300 bis 1.500 Euro, ein Pflegeplatz koste 3.000 Euro Eigenanteil. „Daran sieht man, wie ernst die Situation ist.“ Er bestehe darauf, „dass wir bei der Pflegeversicherung keine passive Sanierung betreiben – also nicht einfach alles kürzen -, sondern das Grundproblem angehen“. Immer mehr ältere Menschen landeten beim Eintritt in ein Pflegeheim in der Sozialhilfe. „Die zahlen dann die Kommunen, und das geht so nicht. Das muss beim geplanten `Zukunftspakt Kommune` geklärt werden.“
Fehlende Mittel für eine Betreuung oder einen Heimplatz müssten ausgeglichen werden, „aus dem Bundeshaushalt, denn es ist ein Bundesleistungsgesetz“. Ziel sei eine Lösung bis Herbst, „weil alle erkannt haben, dass die kommunale Finanzsituation verbessert werden muss“, so der CDU-Politiker.
Beim Klimaschutz spricht sich Kretschmer für geringere Vorgaben aus. „Wenn man bis 2045 100 Prozent Klimaneutralität erreichen will, sind viele Dinge alternativlos und viele Freiheiten nicht mehr möglich.“ Würden statt 100 Prozent bis 2045 etwa 80 Prozent angestrebt, könne man „schneller, günstiger, wirkungsvoller bauen“.
| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Michael Kretschmer am 10.07.2026 |
Vier Bürgerfragen. Klare Antworten.
Welche neuen Fakten, Entscheidungen oder Änderungen nennt der Artikel?
- Michael Kretschmer fordert größere Anstrengungen zur Steigerung von Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland und plädiert dafür, dass die Arbeit produktiver werden muss, weil sich die 35-Stunden-Woche seiner Ansicht nach nicht mehr in diese Zeit einfügt
- Kretschmer sagt, die 35-Stunden-Woche könne durch mehr Arbeitsstunden bei gleichem Geld in den kommenden fünf Jahren ersetzt werden; zudem fordert er weniger Solidarität gegenüber dem „kleinen Teil“ der Bevölkerung, der seiner Meinung nach „Krankentage ohne Krankenschein“ ausnutzt
- Kretschmer fordert bei der Pflegeversicherung eine aktive Lösung ohne Kürzungsstrategie, warnt vor Belastungen der Kommunen und verlangt Klärung im geplanten „Zukunftspakt Kommune“; beim Klimaschutz spricht er sich für weniger Vorgaben aus und nennt ein Ziel von etwa 80 Prozent Klimaneutralität bis 2045 statt 100 Prozent als schneller und günstiger
Wen betrifft es und wie stark (Zielgruppen, Regionen, Zahlen, Fristen)?
- Michael Kretschmer fordert Arbeitnehmer und generell die Beschäftigten in Deutschland zu mehr Produktivität auf; als Reformrahmen nennt er in den kommenden fünf Jahren höhere Arbeitsstunden bei gleichem Geld und lehnt die 35-Stunden-Woche als nicht mehr passend ab
- Arbeitnehmer mit potenziellem Missbrauch bei Krankschreibungen sollen weniger solidarisch behandelt werden; Bezug auf Karenztage bzw. „Krankentage ohne Krankenschein“, ohne konkrete Zahlen oder Fristen
- Kommunen in Ostdeutschland werden bei der Pflegeversicherung als stark belastet beschrieben; genannt werden Renten von 1.300 bis 1.500 Euro und Pflegeheim-Eigenanteile von 3.000 Euro, Ziel einer Lösung bis Herbst für den „Zukunftspakt Kommune“
Welche Gründe, Ursachen, Hintergründe oder Auslöser werden genannt?
- Forderung nach höherer Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit; 35-Stunden-Woche passe nicht mehr zur aktuellen wirtschaftlichen Zeit, gleiche Bezahlung bei längeren Arbeitszeiten in den kommenden fünf Jahren als Mittel gegen Arbeitsplatzverlust
- Debatte um Karenztage; Krankschreibungen würden überwiegend sorgfältig gehandhabt, aber ein kleiner Teil nutze „Krankentage ohne Krankenschein“, deshalb weniger Solidarität mit Missbrauch als mit tatsächlich Erkrankten
- Warnung vor steigender Belastung der Kommunen durch Pflegeversicherung; niedrige Renten in Ostdeutschland treffen auf hohe Pflegeheim-Eigenanteile, immer mehr ältere Menschen rutschen in Sozialhilfe, Lösung über „Zukunftspakt Kommune“ und Ausgleich fehlender Mittel aus dem Bundeshaushalt
Was machen die Politik bzw. die Behörden jetzt konkret?
- Michael Kretschmer fordert, in Deutschland stärker auf eine höhere Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit hinzuwirken, u. a. durch längere Arbeitszeiten bei gleichem Geld über die nächsten fünf Jahre
- Er verlangt, dass beim Pflegeversicherungsgesetz das Grundproblem angegangen wird, damit Kommunen nicht weiter belastet werden, und eine Klärung im geplanten Zukunftspakt Kommune bis Herbst erfolgt
- Zum Klimaschutz spricht er sich dafür aus, die Vorgaben auf etwa 80 Prozent Klimaneutralität bis 2045 zu senken, um schneller und günstiger umsetzen zu können
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