Batterieverband: Europa droht Anschluss zu verlieren

5. August 2026

Wirtschaft - aktuelle Fakten und Einordnung

Batterieindustrie in : Wirtschaftliche Lage

() – Beim Aufbau einer eigenen europäischen Batterieindustrie fehlt es in Deutschland nach Einschätzung der heimischen Industrie an Tempo und Koordination.

„Wir sind zu zaghaft darin, nachhaltig Zukunftsindustrien aufzubauen und die dafür erforderlichen Investitionen zu mobilisieren“, sagte Stefan Wolf, Geschäftsführer des Batterieverbands, dem „Tagesspiegel Background“. Notwendig sei ein gemeinsames Vorgehen von Staat und Industrie – gerade, weil die Autobranche derzeit mit Absatzschwierigkeiten kämpfe und ihre finanziellen Spielräume schrumpften.

Chinesische Hersteller seien über Jahrzehnte mit massiven Subventionen aufgebaut worden und suchten wegen Überkapazitäten im Heimatmarkt gezielt den Weg nach Europa, so Wolf. Die USA schotteten sich dagegen längst ab: „Die USA haben hohe Barrieren eingeführt“, sagte er – Europa bleibe dadurch „eine Art Rettungsanker“ für chinesische Konzerne. Eine Ausnahme sei Tesla: Der Konzern habe es geschafft, den sogenannten Trockenbeschichtungsprozess zu industrialisieren, und skaliere das Verfahren nun auch am Standort Grünheide.

Trotz milliardenschwerer Förderprogramme habe die deutsche Politik bislang zu wenig auf marktgestaltende Instrumente gesetzt. Notwendig seien neben Förderung auch gezielte Nachfrageanreize auf der Marktseite. Wolf verglich den nötigen Schritt mit einer Brücke: „Um mit einem Brückenbau das Tal des Todes zu überqueren, geht man von beiden Seiten vor: neue Technologien entwickeln und neue Technologien nachfragen.“ Als Vorbild nannte er die USA, wo Steuergutschriften an Unternehmen aus , Russland, Nordkorea oder dem ausgeschlossen sind.

Kritisch äußerte sich der Chef des Verbundes zur aktuellen Bundesregierung: Während Forschungsministerium und Kanzleramt die Bedeutung der Batterietechnologie erkannt hätten, agiere das Wirtschaftsministerium zurückhaltend. Trotz Rückschlägen bei Northvolt, SVolt, Cellforce und Varta sei man dennoch zuversichtlich mit Blick auf eine zweite Investitionsrunde in Ländern wie , Schweden und den Niederlanden. Die Batterietechnologie bleibe neben Mikroelektronik und Künstlicher Intelligenz „ganz entscheidend für die Zukunft unserer Industrie“, so Wolf.

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Eine aktuelle Deloitte-Studie unterstrich zu Beginn der Woche die Dringlichkeit: Ihr zufolge werden 98 Prozent der großen Batteriefabriken in Europa von asiatischen Unternehmen betrieben – allen voran vom chinesischen Weltmarktführer CATL.

Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: E-Auto-Ladestation (Archiv)

Vier Bürgerfragen. Klare Antworten.

Welche neuen Fakten, Entscheidungen oder Änderungen nennt der Artikel?

  • Stefan Wolf vom Batterieverband kritisierte Deutschland wegen fehlender Tempo- und Koordinierung beim Aufbau einer europäischen Batterieindustrie und forderte ein gemeinsames Vorgehen von Staat und Industrie
  • Notwendig seien neben Förderung gezielte Nachfrageanreize auf der Marktseite; als Vorbild nannte Wolf US-Steuergutschriften mit Ausschluss von Unternehmen aus China, Russland, Nordkorea und dem Iran
  • Er übte Kritik an der Bundesregierung: Forschungsministerium und Kanzleramt seien zwar offen, das Wirtschaftsministerium agiere jedoch zurückhaltend; trotz Rückschlägen zeigte man sich zuversichtlich für eine zweite Investitionsrunde in Frankreich, Schweden und den Niederlanden

Wen betrifft es und wie stark (Zielgruppen, Regionen, Zahlen, Fristen)?

  • Deutschland, Staat und Industrie als Zielgruppen; mangelnde Tempo- und Koordinationslage beim Aufbau eigener europäischer Batterieindustrie; keine konkreten Fristen, aber Bedarf an gemeinsamer Vorgehensweise von Staat und Industrie sowie stärker marktgestaltenden Instrumenten neben Förderung
  • Europa als Region; chinesische Hersteller mit Überkapazitäten suchen gezielt den Weg nach Europa; USA mit hohen Barrieren als Vergleich; Ausnahme Tesla mit Trockenbeschichtungsprozess, der im Standort Grünheide skaliert wird
  • Zahlen zur Marktstellung in Europa: 98 Prozent der großen Batteriefabriken in Europa werden von asiatischen Unternehmen betrieben (v. a. CATL); weitere Investitionsrunde in Ländern wie Frankreich, Schweden und den Niederlanden (keine konkreten Zeitangaben)

Welche Gründe, Ursachen, Hintergründe oder Auslöser werden genannt?

  • Deutschland baut laut Stefan Wolf (Batterieverband) zu langsam und ohne ausreichende Abstimmung mit Staat und Industrie eine eigene europäische Batterieindustrie auf; Investitionen würden zu zögerlich mobilisiert
  • Absatzschwierigkeiten der Autobranche in Deutschland führen zu schrumpfenden finanziellen Spielräumen, was die Umsetzung marktgestaltender Maßnahmen zusätzlich erschwert
  • Chinesische Hersteller wurden über Jahrzehnte mit massiven Subventionen aufgebaut, expandieren wegen Überkapazitäten gezielt nach Europa; die USA setzen dagegen hohe Barrieren, wodurch Europa zum „Rettungsanker“ für chinesische Konzerne wird

Was machen die Politik bzw. die Behörden jetzt konkret?

  • Gemeinsames Vorgehen von Staat und Industrie fordern, um Tempo und Koordination beim Aufbau einer europäischen Batterieindustrie zu erhöhen
  • Zusätzliche marktgestaltende Instrumente neben Förderprogrammen anstoßen, insbesondere gezielte Nachfrageanreize auf der Marktseite
  • Staatliche Unterstützung besser auf zweite Investitionsrunden in europäischen Ländern wie Frankreich, Schweden und den Niederlanden ausrichten
Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH