UN: Myanmars Armee tötet in sechs Monaten über 700 Zivilisten
Vermischtes - aktuelle Fakten und Einordnung
Gesellschaft in Myanmar: Zivile Opfer und Krisenbildung
Naypyidaw () – Die Vereinten Nationen werfen dem Militär in Myanmar vor, innerhalb von sechs Monaten im vergangenen Jahr für den Tod von mehr als 700 Zivilisten verantwortlich zu sein.
Einem am Montag veröffentlichten UN-Bericht zufolge, der den Zeitraum von August bis Januar abdeckt, wurden mindestens 702 Todesfälle durch glaubwürdige Quellen bestätigt. Unter den Opfern sind demnach 224 Frauen und 153 Kinder.
Der Bericht bezieht sich auf die sechs Monate, die auf die Ankündigung von Wahlen durch die Militärjunta folgten. Diese Wahlen wurden international als Farce kritisiert, da die wichtigsten Oppositionsparteien nicht teilnehmen durften. Die Junta hatte fünf Jahre zuvor die Macht an sich gerissen.
Die UN-Experten warnen, dass die Situation durch einen Rückgang der internationalen Hilfsgelder weiter verschärft werde, was das Leid von Millionen Menschen noch vergrößere.
Der Putsch des Militärs im Jahr 2021 hatte einen Bürgerkrieg ausgelöst, in dessen Verlauf bereits Tausende starben und Millionen zur Flucht gezwungen wurden. Große Landesteile werden weiterhin von bewaffneten Oppositionsgruppen kontrolliert.
Der Bericht des UN-Menschenrechtsbüros nennt Luftangriffe die „mit Abstand größte Ursache für Zerstörung und Leid“. Besonders betroffen war die Region Sagaing, die als „gefährlichste Region für Zivilisten“ bezeichnet wird. Dort starben 191 Menschen, darunter 60 Frauen und 30 Kinder.
Bei einem Angriff im Oktober wurden in Chaung-U (Sagaing) 23 Menschen getötet und über 60 verletzt, als Geschosse eine Menschenmenge vor einer Schule trafen. Die Teilnehmer hatten sich zu einer Kerzenlichtzeremonie versammelt, um das Ende der buddhistischen Fastenzeit zu feiern und gegen die Wehrpflicht und die Militärwahlen zu protestieren.
Im Dezember bombardierte ein Militärflugzeug ein Teehaus in Tabayin (Sagaing), in dem Menschen ein Fußballspiel verfolgten. Mindestens 19 Menschen starben, 20 wurden verletzt.
Der Bericht dokumentiert zudem Übergriffe auf die Rohingya-Bevölkerung, die von der Arakan-Armee zwangsrekrutiert werden. Auch Tötungen, willkürliche Verhaftungen und sexuelle Gewalt werden aufgeführt.
UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk erklärte, die Menschen in Myanmar seien vom Militär bereits schwer gezeichnet, würden nun aber auch vom Ausland vergessen. Die Finanzierung lokaler Schutzmaßnahmen sei vielerorts der einzige Trost gewesen. Deren Rückzug verschlimmere die Lage zusätzlich.
Das Militär hatte vor fünf Jahren die demokratisch gewählte Regierung gestürzt und deren Führerin Aung San Suu Kyi inhaftiert. Vor über zwei Jahren gelangen den Rebellen zunächst große Gebietsgewinne, inzwischen sind sie jedoch in die Defensive geraten. Zwangsrekrutierungen und der verstärkte Einsatz von Drohnen haben das Militär in den meisten Landesteilen wieder in die Offensive gebracht.
Im April wurde Putsch-General Min Aung Hlaing zum Präsidenten ernannt. Viele populäre Parteien waren jedoch zur Wahl nicht zugelassen, große Gebiete konnten wegen des Bürgerkriegs nicht abstimmen. Das Parlament ist mit seinen Gefolgsleuten besetzt. Ein Viertel der Sitze ist automatisch für das Militär reserviert. Die Militärpartei USDP gewann fast 80 Prozent der übrigen Mandate bei einer Wahl, die international als stark zu ihren Gunsten manipuliert angesehen wird.
| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Myanmar (Archiv) |
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- Putsch-General Min Aung Hlaing wurde im April zum Präsidenten ernannt
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