Gesundheitsexperte kritisiert Forderung nach Kassen-Fusionen

22. Juli 2026

Politik - aktuelle Fakten und Einordnung

Politik Gesundheit: Krankenkassen im Fokus

() – Der stellvertretende Vorsitzende der Finanzkommission Gesundheit, Ferdinand Gerlach, weist die Forderung nach einem politisch forcierten Abbau von Krankenkassen zurück. Eine Beschleunigung der ohnehin stattfindenden Konzentrationsprozesse sei eine „uninformierte populistische Forderung“, sagte Gerlach der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Eine geringere Zahl an Kassen hätte „keinen relevanten Einfluss“ auf die Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Dem Experten zufolge gibt es die angestrebte Konzentration bereits. Schon heute hätten wenige große Kassen zusammen einen Marktanteil von über 80 Prozent. Erfahrungen aus zeigten, dass eine Reduktion der Krankenkassenzahl den Wettbewerb um günstige Beitragssätze verringern und sogar zu steigenden Verwaltungskosten führen könne, sagte Gerlach.

Er wies darauf hin, dass die Verwaltungskosten aller gesetzlichen Krankenkassen zusammen bei knapp vier Prozent der Gesamtausgaben lägen. Die Gehälter aller 93 Kassenvorstände machten zusammen nur 0,005 Prozent der Ausgaben aus. Die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen sei bereits von über 1.100 Anfang der 1990er-Jahre auf aktuell 93 deutlich gesunken. Es gebe keinen Zusammenhang zwischen der Größe einer Krankenkasse und ihren Verwaltungskosten je Versicherten, so Gerlach.

Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Ferdinand M. Gerlach (Archiv)

Vier Bürgerfragen. Klare Antworten.

Welche neuen Fakten, Entscheidungen oder Änderungen nennt der Artikel?

  • Ferdinand Gerlach lehnt einen politisch forcierten Abbau von Krankenkassen ab und bezeichnet eine solche Forderung als uninformierte populistische Forderung
  • Er stellt klar, dass eine geringere Zahl an Kassen keinen relevanten Einfluss auf die Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung habe und dass die angestrebte Konzentration bereits weitgehend stattfinde
  • Er verweist auf Erfahrungen aus Österreich und nennt mögliche Folgen wie weniger Wettbewerb um günstige Beitragssätze sowie steigende Verwaltungskosten; außerdem nennt er Verwaltungskosten von knapp vier Prozent gesamt sowie 93 Kassen aktuell nach Rückgang von über 1.100 Anfang der 1990er-Jahre

Wen betrifft es und wie stark (Zielgruppen, Regionen, Zahlen, Fristen)?

  • Gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland; betrifft Forderung nach politisch forciertem Abbau von Krankenkassen; Ferdinand Gerlach (stellvertretender Vorsitzender der Finanzkommission Gesundheit) lehnt das ab und sagt, geringere Kassenanzahl habe keinen relevanten Einfluss auf Beitragssätze und beschleunige nur Konzentrationsprozesse die bereits laufen
  • Deutschland; bestehende Konzentration bereits vorhanden: wenige große Kassen haben zusammen über 80 Prozent Marktanteil; Kassenanzahl von über 1.100 Anfang der 1990er-Jahre auf aktuell 93 gesunken
  • Deutschland; Verwaltungskosten: knapp vier Prozent der Gesamtausgaben insgesamt; Gehälter aller 93 Kassenvorstände zusammen 0,005 Prozent der Ausgaben; zusätzlich: laut Gerlach Erfahrungen aus Österreich zeigen bei Reduktion weniger Wettbewerb um günstige Beitragssätze und potenziell steigende Verwaltungskosten

Welche Gründe, Ursachen, Hintergründe oder Auslöser werden genannt?

  • Forderung nach politisch forciertem Abbau von Krankenkassen wird zurückgewiesen; Konzentrationsprozesse laufen bereits und eine weitere Beschleunigung sei laut Ferdinand Gerlach eine uninformierte populistische Forderung
  • Geringere Zahl an Kassen habe nach Einschätzung Gerlachs keinen relevanten Einfluss auf die Beitragssätze; Beispiele/Erfahrungen aus Österreich deuteten darauf hin, dass Wettbewerb um günstige Beitragssätze sinken und Verwaltungskosten steigen können
  • Verwaltungskosten insgesamt lägen bei knapp vier Prozent der Gesamtausgaben; keine Aussage eines Zusammenhangs zwischen Kassengröße und Verwaltungskosten je Versicherten; Zahl der Kassen sei seit Anfang der 1990er von über 1.100 auf 93 gesunken

Was machen die Politik bzw. die Behörden jetzt konkret?

  • Ferdinand Gerlach lehnt eine politisch forcierten Beschleunigung des Krankenkassen-Abbaus ab und sieht darin keine wirksame Verbesserung der Beitragssätze
  • Er verweist darauf, dass die Konzentration bereits weit fortgeschritten ist und durch weitere Reduktionen der Wettbewerb um günstige Beitragssätze sinken sowie Verwaltungskosten steigen könnten
  • Er macht geltend, dass die Verwaltungskosten insgesamt niedrig sind und keinen Zusammenhang zwischen Kassengröße und Verwaltungskosten je Versicherten erkennen lässt
Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH