Mercator-Institut warnt VW vor Import von China-Autos
Wirtschaft - aktuelle Fakten und Einordnung
Wirtschaft: VW und China-Kapazitäten in Deutschland
Berlin () – Der Direktor des Mercator Instituts für China-Studien (Merics) mit Sitz in Berlin, Mikko Huotari, hat Volkswagen davor gewarnt, in China gebaute Autos nach Deutschland zu importieren oder chinesischen Autoherstellern Produktionskapazitäten in den hauseigenen Werkshallen in Deutschland zur Verfügung zu stellen. Entsprechende Vorschläge hatte VW-Chef Blume in den vergangenen Wochen gemacht, um der Krise bei VW entgegenzuwirken. Huotari sagte der „Welt“, er halte das für eine sehr riskante Wette.
Die von VW in China allein oder im Rahmen von Joint Ventures produzierten Autos seien auch darum wettbewerbsfähiger, weil sie in einem Umfeld staatlicher Steuerung und Subventionen entstehen und unter Arbeitsbedingungen hergestellt werden, die man hier nicht wolle, so der international renommierte China-Experte. Er sagte zudem: „Für VW mag diese Wette kurz- oder mittelfristig noch aufgehen. Aber es entsteht ein importierter Preis- und Wettbewerbsdruck in der deutschen Volkswirtschaft, etwa auf Zulieferer und andere Autohersteller, der sich neben dem Innovationsdruck eben auch aus unfairen Wettbewerbsbedingungen und Arbeitsbedingungen speist, die wir hier nicht kopieren wollen.“ Beides entspreche nicht den Standards einer sozialen Marktwirtschaft und sollte sich darum auch nicht etablieren.
Huotari verwies zudem darauf, dass israelische und kanadische Rüstungsunternehmen angeboten hätten, möglicherweise nicht ausgelastete Produktionskapazitäten bei VW in Deutschland nutzen zu wollen. Er fragte, ob es aus geostrategischen Gründen nicht viel besser wäre, ein solches Angebot anzunehmen, als mit China einem strategischen Rivalen die Türen zu öffnen.
| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Volkswagen (Archiv) |
Vier Bürgerfragen. Klare Antworten.
Welche neuen Fakten, Entscheidungen oder Änderungen nennt der Artikel?
- Mikko Huotari (Merics) warnt Volkswagen vor dem Import in China gebauter Autos nach Deutschland und davor, chinesischen Autoherstellern Produktionskapazitäten in deutschen VW-Werken bereitzustellen
- Huotari kritisiert, dass diese Fahrzeuge wegen staatlicher Steuerung/Subventionen in China sowie dortiger Arbeitsbedingungen wettbewerbsfähiger würden und nennt den entstehenden Preis- und Wettbewerbsdruck auf deutsche Zulieferer und andere Autohersteller als zusätzliches Risiko
- Huotari verweist auf mögliche Angebote israelischer und kanadischer Rüstungsunternehmen zur Nutzung von VW-Kapazitäten und stellt die Frage, ob es geostrategisch sinnvoller wäre, diese zu nutzen statt China als strategischem Rivalen zu öffnen
Wen betrifft es und wie stark (Zielgruppen, Regionen, Zahlen, Fristen)?
- Volkswagen in Deutschland betroffen: Import von in China gebauten Autos nach Deutschland sowie Bereitstellung von deutschen Produktionskapazitäten für chinesische Autohersteller laut Warnung von Merics-Direktor Mikko Huotari; als sehr riskante Wette für kurz- bis mittelfristige Entwicklung beschrieben
- Deutsche Volkswirtschaft betroffen: zusätzlicher Preis- und Wettbewerbsdruck neben Innovationsdruck für Zulieferer und andere Autohersteller durch „unfaire Wettbewerbsbedingungen“ und Arbeitsbedingungen aus China; Zeithorizont kurz- bis mittelfristig genannt
- Geostrategische Ebene betroffen: VW könnte Produktionsangebote israelischer und kanadischer Rüstungsunternehmen (potenziell nicht ausgelastete Kapazitäten in Deutschland) nutzen; Frage nach Vermeidung, „mit China“ einem strategischen Rivalen Türen zu öffnen
Welche Gründe, Ursachen, Hintergründe oder Auslöser werden genannt?
- Volkswagen-Beschluss-/Vorschlagslage: VW-Chef Blume hatte in den vergangenen Wochen erwogen, in China gebaute Autos nach Deutschland zu importieren und/oder chinesischen Autoherstellern Produktionskapazitäten in deutschen VW-Werken bereitzustellen; Merics-Direktor Mikko Huotari warnt davor und bewertet das als sehr riskante Wette
- Ursachen/Hintergründe: In China entstünden die dort produzierten VW-Fahrzeuge in einem Umfeld staatlicher Steuerung und Subventionen und unter Arbeitsbedingungen, die in Deutschland nicht gewollt seien; dies führe zu importiertem Preis- und Wettbewerbsdruck in der deutschen Volkswirtschaft inklusive Druck auf Zulieferer und andere Autohersteller sowie zu Innovationsdruck durch unfairere Wettbewerbs- und Arbeitsbedingungen
- Kontext/Auslöser: Geostrategische Sicherheits- und Abwägungsfrage nach möglichen Angeboten aus anderen Ländern; Huotari verweist auf Angebote israelischer und kanadischer Rüstungsunternehmen, Produktionskapazitäten bei VW nutzen zu wollen, und stellt die Frage, ob es geostrategisch besser wäre, so etwas anzunehmen statt China als strategischen Rivalen zu stärken
Was machen die Politik bzw. die Behörden jetzt konkret?
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