Studie: Europa droht Rohstoffziele zu verfehlen

14. Juli 2026

Wirtschaft - aktuelle Fakten und Einordnung

Wirtschaft: Kritische Rohstoffe in der EU

() – Die Europäische Union (EU) läuft Gefahr, ihr selbst gestecktes Ziel zu verfehlen, bei kritischen Rohstoffen unabhängiger zu werden. Das ergab eine aktuelle Studie des Ifo-Instituts.

Nur bei vier der 27 untersuchten kritischen Rohstoffe erreicht die EU demnach mehr als fünf Prozent der weltweiten Förderung, bei neun liegt ihr Anteil bei null. „Europa sollte bereits heute stabile Partnerschaften mit rohstoffreichen Ländern aufgebaut haben und eigene Vorkommen systematisch erschließen, bisher gibt es aber kaum mehr als Absichtserklärungen und zu viele Unklarheiten“, sagte Ifo-Forscherin Isabella Gourevich.

Die Abhängigkeit der EU von Importen ist vor allem in Zukunftsfeldern sehr hoch. Unverzichtbare und teils seltene Rohstoffe für Batterien, Halbleiter, erneuerbare Energien und Verteidigung muss Europa fast vollständig aus dem Ausland beziehen. Um die Versorgung zu vertretbaren Preisen zu sichern, muss laut Gourevich schnell gehandelt werden: „Die EU sollte ihre Partnerschaften mit rohstoffreichen Ländern jetzt durch konkrete Projekte und Finanzierungszusagen unterlegen, Ankündigungen reichen nicht mehr.“

Der Studie zufolge wäre es auch möglich, innerhalb der nächsten Jahre Kapazitäten für die Verarbeitung in EU-Ländern zu schaffen. Mittelfristig könne die EU auch einige der kritischen Rohstoffe selbst abbauen, es gibt laut der Studie eine ganze Reihe unerschlossener Vorkommen. „Auch hier muss die EU jetzt handeln, denn die Erschließung einer Mine dauert bis zu 18 Jahre“, sagte Gourevich.

Doch dafür fehlt der Studie zufolge die Grundlage: Ob sich der Abbau bekannter Lagerstätten wirtschaftlich lohnt, ist weitgehend ungeklärt. Die europäische geologische Rohstoffdatenbank MIN4EU weist große Lücken auf. Detaillierte Lagerstätten- und Bergbaustandortdaten werden hier für nur von veröffentlicht.

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Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: EU-Fahnen (Archiv)

Vier Bürgerfragen. Klare Antworten.

Welche neuen Fakten, Entscheidungen oder Änderungen nennt der Artikel?

  • EU verfehlt bei vier von 27 untersuchten kritischen Rohstoffen mehr als 5 Prozent Anteil an der weltweiten Förderung, bei neun liegt der Anteil bei null
  • EU soll Partnerschaften mit rohstoffreichen Ländern durch konkrete Projekte und Finanzierungszusagen untermauern, da reine Ankündigungen laut Studie nicht ausreichen
  • EU könnte bis zu Verarbeitungskapazitäten in EU-Ländern aufbauen und mittelfristig selbst abbauen, dabei fehlen laut Studie jedoch verlässliche Daten zur Wirtschaftlichkeit durch große Lücken in MIN4EU und ungeklärtes Lohnens-Preis-Kalkül

Wen betrifft es und wie stark (Zielgruppen, Regionen, Zahlen, Fristen)?

  • EU/Europa insgesamt betroffen: Bei 4 von 27 untersuchten kritischen Rohstoffen erreicht die EU jeweils mehr als 5% der weltweiten Förderung, bei 9 liegt der Anteil bei null; Abhängigkeit von Importen besonders in Zukunftsfeldern wie Batterien, Halbleiter, erneuerbare Energien und Verteidigung sehr hoch
  • Ziel/Zeitrahmen: Die EU soll ihre Partnerschaften mit rohstoffreichen Ländern jetzt durch konkrete Projekte und Finanzierungszusagen untermauern; für neue Minen dauert die Erschließung bis zu 18 Jahre, daher Handlungsbedarf sofort
  • Region/Datengrundlage: Für Deutschland fehlen laut Studie viele Details, da detaillierte Lagerstätten- und Bergbaustandortdaten in der geologischen Rohstoffdatenbank nur von Baden-Württemberg veröffentlicht werden; MIN4EU weist große Lücken auf

Welche Gründe, Ursachen, Hintergründe oder Auslöser werden genannt?

  • EU droht Zielverfehlung bei der Unabhängigkeit von kritischen Rohstoffen; der Anteil liegt bei vier von 27 Rohstoffen über fünf Prozent, bei neun bei null
  • Hohe Importabhängigkeit bei Zukunftsfeldern wie Batterien, Halbleitern, erneuerbaren Energien und Verteidigung, da notwendige teils seltene Rohstoffe fast vollständig aus dem Ausland kommen
  • Unklare/fehlende Planungsgrundlagen und Verzögerungen durch mangelnde Datenlage zu wirtschaftlichem Abbau sowie lange Vorlaufzeiten für Minen (bis zu 18 Jahre) und bislang fehlende konkrete Partnerschaftsprojekte statt nur Absichtserklärungen

Was machen die Politik bzw. die Behörden jetzt konkret?

  • Die EU soll stabile Partnerschaften mit rohstoffreichen Ländern durch konkrete Projekte und Finanzierungszusagen statt nur Absichtserklärungen unterlegen
  • Die EU soll schnell Kapazitäten zur Verarbeitung kritischer Rohstoffe in EU-Ländern aufbauen bzw. dafür die Grundlage schaffen
  • Die EU soll den Abbau unerschlossener Vorkommen mittelfristig vorantreiben, wobei für die Wirtschaftlichkeit weiterer Klärungsbedarf besteht
Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH
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